Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?
Das Fraunhofer ISE hat in seinem Feldtest „WP-QS im Bestand“ 77 Wärmepumpen in Häusern mit Baujahr 1826 bis 2001 vermessen. Ergebnis: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4 – aus 1 kWh Strom wurden 3,4 kWh Wärme –, Erdwärmepumpen 4,3. Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Forscher nicht – in allen Altersklassen wurden ähnliche Heizwassertemperaturen gemessen. Allerdings waren die älteren Häuser (bis 1979) überdurchschnittlich oft saniert: 95 % hatten neue Fenster, 82 % ein gedämmtes Dach, 56 % gedämmte Außenwände (Bundesdurchschnitt: 59 % der Dächer, 35 % der Außenwände). Von den jüngeren Häusern war nur eines nennenswert saniert. Der Messzeitraum war etwas wärmer als im langjährigen Mittel, Temperaturen unter −5 °C traten selten auf.
Laut Bundesverband Wärmepumpe gingen 2025 knapp 80 % der neuen Heizungs-Wärmepumpen in bestehende Gebäude. Entscheidend für die Effizienz ist die Vorlauftemperatur: Je wärmer das Heizwasser sein muss, desto mehr Strom braucht die Wärmepumpe.
Welche Vorlauftemperatur braucht eine Wärmepumpe?
Beispiel: 140 m², bisher 20.000 kWh Gas mit älterem Kessel, 3 Personen, Berlin. Gleiches Haus, nur die nötige Vorlauftemperatur bei der Norm-Außentemperatur (−11,5 °C, aus DWD-Daten der Station Berlin-Tempelhof geschätzt) ändert sich:
| Vorlauf bei Norm-Außentemperatur | Jahresarbeitszahl Luft | Jahresarbeitszahl Erdwärme | Strom (Luft) | Stromkosten (Luft) |
|---|---|---|---|---|
| 35 °C | 3,79 | 4,96 | 4.000 kWh | 1.090 € |
| 45 °C | 3,46 | 4,39 | 4.300 kWh | 1.180 € |
| 55 °C | 3,14 | 3,86 | 4.800 kWh | 1.290 € |
| 65 °C | 2,84 | 3,39 | 5.300 kWh | 1.410 € |
| 70 °C | 2,70 | 3,19 | 5.600 kWh | 1.470 € |
Von 55 °C auf 35 °C steigt die Jahresarbeitszahl der Luft-Wärmepumpe von 3,14 auf 3,79; von 55 auf 70 °C sinkt sie auf 2,70 – rund 190 € mehr Stromkosten im Jahr. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rechnet mit 2 bis 3 % mehr Effizienz je Grad weniger Vorlauftemperatur. In der Tabelle ändert sich nur der Wert an den kältesten Tagen; übers Jahr verschiebt sich die Vorlauftemperatur nur gut halb so stark, und das Warmwasser bleibt gleich. Je Grad im Jahresmittel sind es in unserem Modell knapp 2 %. Die Förderung verlangt, dass der Fachbetrieb nach VDI 4650 eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0 nachweist. Die Werte gelten wie im Fraunhofer-Feldtest ohne Umwälzpumpen und Speicherverluste; mit diesen liegt der Stromverbrauch rund 15 % höher.
Der 55-Grad-Test: So prüfen Sie Ihr Haus
- Kalten Tag abwarten: am besten mehrere Frosttage. Je kälter, desto aussagekräftiger.
- Vorlauftemperatur begrenzen: auf 50 bis 55 °C – am besten über Heizkurve oder Mischer (wie das geht, steht in der Bedienungsanleitung, sonst hilft der Heizungsbauer). Bei älteren Kesseln, die eine Mindesttemperatur brauchen, nicht die Kesseltemperatur absenken, sondern den Heizungsbauer fragen. Nachtabsenkung ausschalten.
- Thermostate auf 3 stellen (etwa 20 °C) und bis zu 72 Stunden abwarten.
- Auswerten: Werden alle Räume warm, ist eine Wärmepumpe laut Verbraucherzentrale problemlos möglich. Bleiben einzelne Räume kühl, reichen dort vermutlich größere Heizkörper. Bleibt es überall zu kühl, geht es wirtschaftlich nicht ohne Dämmung.
- Genauer: in Schritten senken (55 → 50 → 45 °C) und im Check die niedrigste Temperatur eintragen, bei der es warm blieb, dazu die Außentemperatur. Der Check rechnet auf die Norm-Außentemperatur hoch.
Warum das Hochrechnen wichtig ist: Reichen bei 0 °C draußen 45 °C Vorlauf, sind es bei der Norm-Außentemperatur von Berlin (−11,5 °C) rund 55 °C – passend zur Faustregel der Initiative Zukunft Altbau (Baden-Württemberg), nach der bei 0 °C etwa 45 °C reichen sollten. Braucht es bei 0 °C schon 55 °C, sind es rund 70 °C; bei einem Test an einem Tag mit −5 °C rund 62 °C. Heizkörper geben bei kleinerem Temperaturunterschied überproportional weniger Wärme ab. Die Verbraucherzentrale wertet einen bestandenen Test an einem kalten Tag als „problemlos möglich“; unser Check ist etwas strenger. co2online empfiehlt den Test mit 45 bis 50 °C.
Wärmepumpe mit alten Heizkörpern: Reicht die Leistung?
Die Normleistung eines Heizkörpers gilt für 75 °C Vorlauf, 65 °C Rücklauf und 20 °C Raumtemperatur (EN 442). Mit kälterem Wasser leisten sie deutlich weniger (vereinfachte Rechnung):
| Vorlauf/Rücklauf | Leistung gegenüber Normleistung |
|---|---|
| 75/65 °C | 100 % |
| 55/45 °C | 51 % |
| 50/40 °C | 41 % |
| 45/35 °C | 30 % |
Ältere Heizkörper sind oft für 90/70 °C angegeben – dann liegt die Leistung bei 55/45 °C nur bei rund 41 %. Trotzdem reicht es oft: Heizkörper in Altbauten sind laut Verbraucherzentrale überraschend oft überdimensioniert. Fraunhofer empfiehlt, die Heizkörper raumweise zu prüfen und gezielt die zu kleinen zu tauschen. Grundlage dafür ist die raumweise Heizlastberechnung, die für die Förderung ohnehin Pflicht ist. Zusatzkosten beim Umstieg – etwa für einzelne Heizkörper, den Ausbau des Kessels oder einen Pufferspeicher – liegen laut co2online meist zwischen 2.000 und 10.000 €; neue Heizkörper, Flächenheizungen und der hydraulische Abgleich sind zusammen mit der Wärmepumpe förderfähig.
Heizlast berechnen: die Faustregel
Der Bundesverband Wärmepumpe nennt als Faustregel: Heizöl-Liter im Jahr geteilt durch 250 ergibt die Heizlast in kW, mit Warmwasser geteilt durch 300; bei Gas gilt das für Kubikmeter. Im Beispiel (20.000 kWh ≈ 2.000 m³) sind das 6,7 kW inklusive Warmwasser (÷ 300); unsere Verteilung nach Gradstunden kommt für die Raumwärme allein auf 4,7 kW (33 W/m²) – die Norm-Heizlast des Fachbetriebs liegt meist höher. Im Fraunhofer-Feldtest waren viele Wärmepumpen – gemessen am tatsächlichen Verbrauch – großzügig dimensioniert; häufiges Takten erklärte das meist nicht. Sicherheitszuschläge machen die Wärmepumpe aber laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz unnötig teuer. Für Angebot und Förderung ist eine raumweise Berechnung nach DIN EN 12831 vorgeschrieben.
Hochtemperatur-Wärmepumpe oder Hybrid?
Lässt sich die Vorlauftemperatur nicht senken, gibt es Wärmepumpen für 70 °C und mehr – laut Verbraucherzentrale „immer zu Lasten der Effizienz“, laut co2online rund 20 bis 25 % teurer in der Anschaffung. Eine Alternative ist die Hybridheizung: Die Wärmepumpe deckt den größten Teil der Heizwärme, an den kältesten Tagen hilft ein Gas- oder Ölkessel. Was dabei rechtlich gilt, steht unter Heizungsgesetz 2026. Ob sich die Wärmepumpe gegenüber einer neuen Gasheizung rechnet, zeigt der Wärmepumpen-Rechner; Kosten und Förderung stehen unter Wärmepumpe Kosten und Wärmepumpe Förderung.
Häufige Fragen
Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?
Ja, in den meisten Fällen. Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in Häusern mit Baujahr 1826 bis 2001 gemessen: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4 (2,6 bis 4,9), Erdwärmepumpen 4,3. Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Forscher nicht. Entscheidend ist, wie warm das Heizwasser sein muss.
Welche Vorlauftemperatur ist für eine Wärmepumpe zu hoch?
Als Faustregel gilt laut Verbraucherzentrale: Die Vorlauftemperatur sollte möglichst ganzjährig unter 55 °C liegen. Darüber geht es auch, aber teurer – in unserem Beispielhaus erreicht eine Luft-Wärmepumpe bei 55 °C Vorlauf an den kältesten Tagen eine Jahresarbeitszahl von 3,14, bei 70 °C nur noch 2,70. Einige Wärmepumpen schaffen bis zu 70 °C, aber zu Lasten der Effizienz.
Brauche ich für eine Wärmepumpe eine Fußbodenheizung?
Nein. Eine Fußbodenheizung ist ideal, aber keine Voraussetzung (Verbraucherzentrale NRW). Ausreichend dimensionierte Heizkörper lassen sich laut Fraunhofer ISE mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie Flächenheizungen. Oft reicht es, einzelne zu kleine Heizkörper zu tauschen.
Muss ich mein altes Haus vor der Wärmepumpe dämmen?
Nicht unbedingt. Laut Fraunhofer ISE arbeiten Wärmepumpen auch in älteren Gebäuden effizient, ohne dass sie auf Neubaustandard saniert werden müssen. Bleibt es beim 55-Grad-Test aber in allen Räumen zu kühl, wird es laut Verbraucherzentrale ohne zusätzliche Dämmung keinen wirtschaftlichen Wärmepumpenbetrieb geben.
Wie berechne ich die Heizlast für eine Wärmepumpe?
Überschlägig aus dem bisherigen Verbrauch: Der Bundesverband Wärmepumpe nennt als Faustregel Heizöl-Liter geteilt durch 250 = Heizlast in kW (mit Warmwasser geteilt durch 300); Gas entsprechend in Kubikmetern. Für Angebot und Förderung ist eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 vorgeschrieben – sie zeigt auch, welche Heizkörper zu klein sind.
Werden neue Heizkörper für die Wärmepumpe gefördert?
Ja, zusammen mit der Wärmepumpe: Heizkörper, Flächenheizungen und der hydraulische Abgleich gehören zu den förderfähigen Kosten der Heizungsanlage (KfW-Infoblatt, Nr. 4.2.5 „Wärmeverteilung und Wärmeübergabe“). Unabhängig davon fördert das BAFA als Heizungsoptimierung auch den Einbau von Niedertemperaturheizkörpern (BEG EM Nr. 5.4). Der hydraulische Abgleich und die Anpassung der Heizkurve sind für die Förderung ohnehin Pflicht.
Annahmen und Quellen
- Feldtest: Fraunhofer ISE, „WP-QS im Bestand“ (Pressemitteilung 03.11.2025 und Schlussbericht); Absatzzahlen: Bundesverband Wärmepumpe (27.01.2026)
- Faustregel 55 °C und Test: Verbraucherzentrale (Wärmepumpe im Eigenheim, 25.03.2026; Energieberatung), Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (Faktencheck Wärmepumpe, 02/2026), Zukunft Altbau (20.01.2025), co2online
- Heizlast-Faustregel: Bundesverband Wärmepumpe, Praxisratgeber Modernisieren (10/2025); Förderanforderungen: Richtlinie BEG EM vom 17.08.2026 (Jahresarbeitszahl ≥ 3,0, hydraulischer Abgleich), KfW-Infoblatt förderfähige Maßnahmen (09/2026)
- Heizkörperleistung: Heizkörperexponent n = 1,3 nach EN 442 (Herstellerangaben), Raumtemperatur 20 °C
- Modell: stündliche Simulation mit Temperaturen eines typischen Jahres (PVGIS), Wirkungsgrad-Kurve nach When2Heat, kalibriert auf den Fraunhofer-Feldtest; Heizkurve über den Heizkörperexponenten, verankert an der Norm-Außentemperatur. Ohne Test geschätzte Vorlauftemperaturen sind Annahmen (Spanne ±7 °C)
- Norm-Außentemperatur: Schätzung nach der Definition der DIN/TS 12831-1 (zehnttiefstes Zweitagesmittel in 20 Jahren) aus Tageswerten 2005–2025 der nächstgelegenen Station des Deutschen Wetterdienstes; der amtliche Wert für Ihre Postleitzahl kann abweichen
- Stromkosten: Wärmepumpentarif mit eigenem Zähler 24 ct/kWh und 140 € Grundpreis im Jahr (Verbraucherzentrale NRW, 20.02.2026)