So rechnet der Balkonkraftwerk-Rechner
Viele Rechner multiplizieren die Modulleistung mit einem pauschalen Ertrag und unterstellen, dass Sie den Strom vollständig selbst verbrauchen. Das ist bequem – und meist zu optimistisch. Wir rechnen stattdessen alle 8.760 Stunden eines Jahres einzeln durch:
- Sonne: stündliche Erzeugung aus der PVGIS-Datenbank der Europäischen Kommission für Ihre Stadt, Ausrichtung und Neigung, gemittelt über die Jahre 2005–2023.
- Verbrauch: das BDEW-Standardlastprofil für Haushalte, skaliert auf Ihren Jahresverbrauch. Zusätzlich berücksichtigen wir, dass der Verbrauch eines Haushalts innerhalb einer Stunde nicht gleichmäßig ist, sondern sich aus einer Grundlast und kurzen Spitzen (Wasserkocher, Herd) zusammensetzt.
- Grenze: Mehr als die Wechselrichterleistung (meist 800 W) kann nicht ins Hausnetz fließen; was darüber liegt, geht verloren.
- Speicher: nimmt Überschüsse auf und gibt sie bei Bedarf wieder ab – mit Lade- und Entladeverlusten und dem Eigenverbrauch der Elektronik.
- Kosten: alle Posten über 20 Jahre, einschließlich Halterung, neuem Wechselrichter und – falls gewählt – Ersatz des Speichers.
Wie gut stimmt das?
Wir haben unsere Ergebnisse mit dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin verglichen, der auf 41 gemessenen Haushalts-Lastprofilen in Minutenauflösung beruht. Ergebnis für 17 Konfigurationen (Süd, Ost, West, 30° und 90°, 1.500–4.500 kWh, 0–3 kWh Speicher, 900 und 2.000 Wp):
- Eigenverbrauch bei Südausrichtung ohne Speicher: −8 % bis +3 % Abweichung.
- Erzeugung: Wir liegen 5–10 % höher, weil wir das Mittel aus 19 Wetterjahren für Ihren Ort nutzen; die HTW rechnet mit einem einzelnen Wetterjahr (2017) einer Station in Brandenburg.
- Speicher: Bezogen auf den verfügbaren Überschuss fällt der zusätzliche Eigenverbrauch durch den Speicher bei uns 4–20 % geringer aus als bei der HTW – wir rechnen hier also vorsichtiger. Grund sind die gemessenen Gerätewerte, die wir ansetzen (Eigenverbrauch 8 W, Wirkungsgrad 83 %).
- Ost und West (senkrecht): Wir rechnen 17–20 % vorsichtiger, weil die PVGIS-Daten für senkrechte Ost- und Westflächen weniger Einstrahlung ansetzen als das Modell der HTW.
Wie viel bringt ein Balkonkraftwerk in Ihrer Region?
910 Wp, nach Süden, 2.500 kWh Jahresverbrauch. „Schräg“ bedeutet etwa 30° aufgeständert, „senkrecht“ am Geländer. Amortisation für senkrechte Montage bei 419 € Anschaffungskosten (Set 289 € plus Halterung 130 €), 37,0 ct/kWh, 2,0 % Preisanstieg pro Jahr und einem neuen Wechselrichter nach 15 Jahren.
| Stadt | schräg (30°) | senkrecht | selbst genutzt (senkrecht) | Amortisation (senkrecht) |
|---|---|---|---|---|
| Kiel | 890 kWh | 648 kWh | 347 kWh | 3,2 Jahre |
| Hamburg | 881 kWh | 642 kWh | 350 kWh | 3,2 Jahre |
| Berlin | 945 kWh | 688 kWh | 369 kWh | 3,0 Jahre |
| Köln | 940 kWh | 682 kWh | 365 kWh | 3,1 Jahre |
| Dresden | 966 kWh | 704 kWh | 373 kWh | 3,0 Jahre |
| Frankfurt am Main | 977 kWh | 692 kWh | 369 kWh | 3,0 Jahre |
| Stuttgart | 1.021 kWh | 731 kWh | 386 kWh | 2,9 Jahre |
| München | 1.026 kWh | 734 kWh | 383 kWh | 2,9 Jahre |
Der Nord-Süd-Unterschied ist kleiner als oft angenommen: Dieselbe Anlage erzeugt in München 15 % mehr als in Kiel. Ausrichtung und Verbrauch wirken sich deutlich stärker aus.
Süd, Ost oder West?
Berlin, 910 Wp, 2.500 kWh Verbrauch:
| Ausrichtung | schräg (30°) | senkrecht | selbst genutzt (senkrecht) |
|---|---|---|---|
| Süd | 945 kWh | 688 kWh | 369 kWh |
| Südost | 899 kWh | 647 kWh | 343 kWh |
| Südwest | 886 kWh | 624 kWh | 338 kWh |
| Ost | 768 kWh | 481 kWh | 279 kWh |
| West | 749 kWh | 469 kWh | 281 kWh |
Ein Ost- oder Westbalkon erzeugt senkrecht rund 31 % weniger als ein Südbalkon, die Ersparnis ist aber nur rund 24 % geringer – der Strom fällt morgens bzw. abends an, wenn ohnehin mehr verbraucht wird.
Ihr Verbrauch entscheidet mehr als die Sonne
Berlin, 910 Wp senkrecht nach Süden, ohne Speicher:
| Jahresverbrauch | Eigenverbrauchsanteil | selbst genutzt | Ersparnis 1. Jahr | Amortisation |
|---|---|---|---|---|
| 1.500 kWh | 37 % | 254 kWh | 94 € | 4,3 Jahre |
| 2.500 kWh | 54 % | 369 kWh | 136 € | 3,0 Jahre |
| 3.500 kWh | 67 % | 459 kWh | 170 € | 2,4 Jahre |
| 4.500 kWh | 77 % | 529 kWh | 196 € | 2,1 Jahre |
Wer eine hohe Grundlast hat (Kühlschrank, Gefriertruhe, Router) oder tagsüber zu Hause arbeitet, nutzt mehr Solarstrom direkt. Tipp: Lesen Sie nachts, wenn nur Dauerverbraucher laufen, die aktuelle Leistung an Ihrem digitalen Stromzähler ab (oft erst nach PIN-Eingabe sichtbar). Dieser Wert ist Ihre Grundlast; tragen Sie ihn unter „Weitere Annahmen“ ein.
Lohnt sich ein Speicher?
Berlin, 2.500 kWh Verbrauch. Speicherpreis 283 € pro kWh (Median aktueller Shop-Preise, Spanne 185–308 €/kWh) plus 99 € für das Smart Meter des Speichers, Ersatz des Speichers nach 10 Jahren. Die Größen entsprechen gängigen Balkonspeichern. Die Amortisation bezieht sich nur auf den Speicher: Wann hat der zusätzliche Eigenverbrauch die Mehrkosten eingespielt?
| Speicher | 910 Wp senkrecht: selbst genutzt | Amortisation | 2.000 Wp schräg (30°): selbst genutzt | Amortisation |
|---|---|---|---|---|
| ohne | 369 kWh | – | 572 kWh | – |
| 1,92 kWh | 606 kWh | 7,0 Jahre | 1.035 kWh | 3,7 Jahre |
| 2,69 kWh | 613 kWh | 8,9 Jahre | 1.125 kWh | 4,1 Jahre |
| 5,12 kWh | 616 kWh | mehr als 20 Jahre | 1.190 kWh | 6,5 Jahre |
Bei einer kleinen Anlage bringt schon der kleinste Speicher fast den gesamten Nutzen – jede weitere Kilowattstunde Speicherkapazität bleibt weitgehend ungenutzt, weil der Überschuss fehlt. Erst mit mehr Modulleistung wird ein größerer Speicher sinnvoll. Größer ist also nicht automatisch besser.
Was kostet ein Balkonkraftwerk 2026?
Viele Rechner vergessen Kosten, die erst später anfallen oder nicht im Set enthalten sind. Hier alle Kosten im Überblick (Shop-Preise Stand Oktober 2026):
| Posten | typisch | wann |
|---|---|---|
| Set mit 1 Modul (455–500 Wp) und 800-W-Wechselrichter | 179–259 € | einmalig |
| Set mit 2 Modulen (900–1.000 Wp) | 195–349 € | einmalig |
| Set mit 3 Modulen (1.365–1.840 Wp) | 379–519 € | einmalig |
| Set mit 4 Modulen (1.820–2.000 Wp) | 395–559 € | einmalig |
| Halterung (Geländer, Wand, Flachdach oder Garten) | 29–69 € pro Modul | einmalig, meist nicht im Set |
| Einspeisesteckdose + Elektriker (nötig über 960 Wp) | 100–300 € | einmalig |
| Speicher | 185–308 € pro kWh | einmalig, Ersatz nach ca. 10 Jahren |
| Smart Meter des Speichers (Messgerät oder Lesekopf, kein Zählertausch) | 69–99 € | einmalig, bei vielen Speichern nötig |
| Neuer Wechselrichter | 81–199 € | nach ca. 12–15 Jahren |
| Zählertausch durch den Messstellenbetreiber | 0 € | einmalig |
| Moderner Zähler | höchstens 25 € brutto | jährlich |
| Registrierung im Marktstammdatenregister | 0 € | einmalig |
| Umsatzsteuer auf Module, Wechselrichter, Speicher | 0 % | beim Kauf |
| Förderung von Stadt oder Land | oft 100–200 €, teils mehr | meist vor dem Kauf beantragen |
Regeln, die bares Geld betreffen
- Grenzen: Bis 2 kW installierter Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung gilt die vereinfachte Regelung für Steckersolargeräte (§ 8 Abs. 5a i. V. m. § 3 Nr. 43 EEG). Mehr Modulleistung als 800 W kann sich trotzdem lohnen: Die Module liefern dann morgens, abends und im Winter länger die vollen 800 W.
- Stecker: Nach der Produktnorm DIN VDE V 0126-95 (Dezember 2025) ist ein normaler Haushaltsstecker (Schuko) nur bis 960 Wp Modulleistung und mit zusätzlicher Schutzmaßnahme normgerecht. Darüber braucht es eine spezielle Einspeisesteckdose (z. B. Wieland), die eine Elektrofachkraft installiert – der Rechner berücksichtigt diese Kosten dann automatisch.
- Anmeldung: Nur im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, gebührenfrei. Die Meldung beim Netzbetreiber entfällt seit dem 16. Mai 2024.
- Zähler: Bis zum Zählertausch darf das Gerät am vorhandenen Zähler betrieben werden; dessen Messwerte gelten als richtig (§ 10a Abs. 3 EEG). Der Tausch ist laut Verbraucherzentrale für Sie kostenlos. Ein moderner Zähler darf höchstens 25 € brutto im Jahr kosten (§ 32 Abs. 1 MsbG).
- Einspeisung: Steckersolargeräte sind der unentgeltlichen Abnahme zugeordnet (§ 8 Abs. 5a EEG): Überschüssiger Strom wird in aller Regel nicht vergütet. Darum zählt nur der selbst genutzte Strom – genau das berechnet der Rechner.
- Steuer: Für Solarmodule und die für den Betrieb wesentlichen Komponenten einschließlich Speicher gilt beim Kauf der Nullsteuersatz (§ 12 Abs. 3 UStG); das Bundesfinanzministerium nennt ausdrücklich auch Balkonkraftwerke.
- Miete und Eigentümergemeinschaft: Mieter und Wohnungseigentümer haben grundsätzlich einen Anspruch darauf, dass ihnen ein Steckersolargerät erlaubt wird (§ 554 Abs. 1 BGB, § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 WEG). Bei der Art der Durchführung (etwa Ort und Befestigung) können Vermieter bzw. Eigentümergemeinschaft mitreden; eine Ablehnung nur aus optischen Gründen ist laut Verbraucherzentrale nicht mehr zulässig.
- Versicherung: Meist ohne Aufpreis über die bestehende Hausrat- bzw. Gebäude- und die Haftpflichtversicherung abgedeckt – melden Sie das Gerät Ihrer Versicherung aber vorsichtshalber (Verbraucherzentrale).
Häufige Fragen
Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt?
Ein Balkonkraftwerk mit 800-W-Wechselrichter und 910 Wp Modulleistung erzeugt nach Süden und schräg (ca. 30°) aufgestellt je nach Region 881 bis 1.026 kWh pro Jahr. Senkrecht am Geländer sind es 642 bis 734 kWh, also rund 28 % weniger.
Wie viel davon nutze ich selbst?
Das hängt vor allem davon ab, wie viel Strom Sie tagsüber ohnehin verbrauchen. Ein Haushalt mit 2.500 kWh Jahresverbrauch nutzt bei 910 Wp senkrecht nach Süden 54 % des Solarstroms selbst, ein Haushalt mit 1.500 kWh 37 %. Der Rest fließt in aller Regel ohne Vergütung ins Netz.
Lohnt sich ein Speicher für das Balkonkraftwerk?
Ein kleiner Speicher kann sich lohnen: Ein Speicher mit 1,92 kWh an einer 910-Wp-Anlage macht sich in unserer Beispielrechnung nach 7,0 Jahren bezahlt. Größere Speicher bringen bei einer kleinen Anlage kaum mehr, weil der Überschuss fehlt – ein Speicher mit 5,12 kWh macht sich dort auch in 20 Jahren nicht bezahlt. Bei 2.000 Wp Modulleistung rechnen sich auch größere Speicher (5,12 kWh: nach 6,5 Jahren).
Ist ein Ost- oder Westbalkon schlechter als ein Südbalkon?
Senkrecht montiert liefert eine Ost- oder Westseite rund 31 % weniger Strom als eine Südseite. Weil der Strom morgens bzw. abends anfällt, wird davon ein größerer Anteil selbst genutzt – die Ersparnis sinkt daher nur um rund 24 %.
Wie genau ist der Rechner?
Die Einstrahlungsdaten stammen aus 19 Jahren Wetterdaten (PVGIS, 2005–2023) für die gewählte Stadt. Den Eigenverbrauch haben wir in 17 Konfigurationen mit dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin abgeglichen, der auf gemessenen Haushalten beruht: Bei Südausrichtung weichen die Ergebnisse −8 bis +3 % ab. Verschattung oder ein ungewöhnlicher Tagesablauf verändern das Ergebnis – deshalb können Sie alle Werte anpassen.
Annahmen und Quellen
| Wetterdaten | PVGIS 5.3 (SARAH3) der Europäischen Kommission, Mittel 2005–2023, stündlich |
| Systemverluste | 14 % (Kabel, Wechselrichter, Verschmutzung; PVGIS-Standard) |
| Lastprofil | BDEW-Standardlastprofil H0 mit Dynamisierung, plus Grundlast/Lastspitzen je Stunde |
| Strompreis | 37,0 ct/kWh (BDEW-Strompreisanalyse August 2026); amtliche Statistik: 36,2 ct/kWh (Eurostat, 1. Halbjahr 2026) |
| Strompreisanstieg | 2,0 % pro Jahr = Durchschnitt der letzten 10 Jahre (Eurostat, ab dem 1. Halbjahr 2016) |
| Einspeisung | ohne Vergütung (unentgeltliche Abnahme nach § 8 Abs. 5a EEG) |
| Speicher | 90 % der Kapazität nutzbar, Gesamtwirkungsgrad 83 %, 8 W Eigenverbrauch (Messwerte unabhängiger Tests: 5–9,5 W, 82–85 %), bedarfsgerechte Abgabe per Smart Meter, Ersatz nach 10 Jahren (übliche Garantiedauer) zu 75 % des heutigen Preises (Annahme wie im HTW-Simulator) |
| Alterung der Module | 0,4 % weniger Ertrag pro Jahr |
| Wechselrichter | Ersatz nach 15 Jahren für 179 € (Shop-Preise 81–199 €) |
| Anlagenpreise | Median geprüfter Shop-Angebote, Stand 5.10.2026; Halterung 65–69 € pro Modul; über 960 Wp 200 € für Einspeisesteckdose und Elektriker |