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Dynamischer Stromtarif: Lohnt er sich für Sie?

Beim dynamischen Tarif zahlen Sie für jede Viertelstunde oder Stunde den Börsenpreis plus feste Kosten. Ob das günstiger ist als Ihr heutiger Festpreis, hängt davon ab, wann Sie Strom brauchen. Der Rechner legt Ihren Verbrauch auf die echten Börsenpreise jeder Stunde – der letzten 12 Monate und der Jahre 2022 bis 2025.

Stand: 17.10.2026. Börsenpreise: Bundesnetzagentur | SMARD.de, letzte 12 Monate = 10/2025 bis 09/2026.

Ihr Verbrauch

kWh im Jahr, ohne Wärmepumpe und E-Auto (Ø 3-Personen-Haushalt: rund 3.500 kWh)
Ohne Smart Meter kein dynamischer Tarif. Freiwilliger Einbau beim grundzuständigen Messstellenbetreiber: rund 55 € im Jahr mehr (gesetzlicher Rahmen, Einbau auf 5 Jahre verteilt; siehe unten).

Tarife

ct/kWh brutto, steht auf der Rechnung
€ im Monat
ct/kWh brutto auf den Börsenpreis
€ im Monat, nur Anbieter
Netzentgelte (in beiden Tarifen gleich)
ct brutto: Netzentgelt, Stromsteuer, Konzessionsabgabe, Umlagen
€ im Monat

Voreingestellt: Bundesdurchschnitt 2026 (BDEW) und eine Schätzung für den Grundpreis. Regional sind die Netzentgelte sehr verschieden; die Werte für Ihre Postleitzahl stehen im Preisblatt des dynamischen Tarifs. Im Festtarif stecken sie in Arbeits- und Grundpreis.

Lade Börsenpreise …

Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif? Fünf Beispiele

Ersparnis im Jahr gegenüber einem Festtarif mit 32,00 ct Arbeitspreis und 15 € Grundpreis im Monat (zusammen 36,98 ct bei 3.500 kWh – Durchschnitt 2026 laut BDEW). Dynamisch: 2,00 ct Aufschlag und 6,00 € Grundgebühr im Monat. Ohne Wärmepumpe und E-Auto ist das Smart Meter freiwillig – eingerechnet sind dann 55 € Mehrkosten im Jahr (gesetzlicher Rahmen, Einbau auf 5 Jahre verteilt). Mit einer seit 2024 angeschlossenen, steuerbaren Wärmepumpe oder Wallbox (§ 14a EnWG) muss es der Messstellenbetreiber ohnehin einbauen; gerechnet sind nur die Kosten des vorzeitigen Einbaus (20 € im Jahr).

Verbrauch2022202320242025letzte 12 Monate
Haushalt, 3.000 kWh−473 €+15 €+79 €+38 €−1 €
+ Wärmepumpe (4.500 kWh)−965 €+116 €+288 €+158 €+119 €
+ E-Auto, sofort geladen−913 €+38 €+138 €+59 €−20 €
+ E-Auto, günstigste Stunden−610 €+173 €+271 €+189 €+103 €
+ Wärmepumpe + E-Auto (günstig geladen)−1.137 €+239 €+445 €+274 €+187 €

Das Ergebnis ist eindeutig: Ohne flexible Verbraucher bringt der dynamische Tarif fast nichts. Ein Haushalt verbraucht viel mittags, am meisten aber abends, wenn der Börsenpreis hoch ist. Beides gleicht sich ungefähr aus: Sein mittlerer Börsenpreis lag in den letzten 12 Monaten bei 10,4 ct netto – praktisch so hoch wie der Durchschnitt aller Stunden (10,4 ct), 2023 bis 2025 sogar darüber. Was der Tarif spart, fressen Grundgebühr und Smart Meter auf.

Anders mit E-Auto: Lädt es automatisch in den günstigsten Stunden bis zum Morgen, kostete sein Strom an der Börse im Schnitt 9,3 ct statt 13,9 ct beim Laden direkt nach dem Heimkommen um 18 Uhr – +123 € im Jahr nur durch die Ladezeit (2.260 kWh, 11.300 km). Eine Wärmepumpe bringt vor allem Menge: Mit Haushalt und Wärmepumpe waren es +119 €, mit beidem plus E-Auto +187 €. Die Wärmepumpe haben wir mit den echten Temperaturen des jeweiligen Jahres gerechnet und nicht verschoben; wer sie in günstige Stunden steuert, spart mehr. Verglichen ist mit dem normalen Haushaltsstrompreis – wer schon einen günstigeren Wärmepumpentarif oder den Netzentgelt-Rabatt nach § 14a EnWG hat, spart mit dem dynamischen Tarif weniger.

Mit den Börsenpreisen von 2022 wäre der dynamische Tarif in allen Beispielen teurer gewesen – im Schnitt kostete Strom an der Börse 23,55 ct netto. Gerechnet ist hier mit heutigen Tarifen; Festpreise stiegen damals erst mit Verzögerung. Wer dynamisch abschließt, trägt dieses Risiko selbst.

So funktioniert ein dynamischer Stromtarif

  • Nur der Börsenpreis schwankt. Netzentgelt, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umlagen bleiben je kWh fest – im Bundesschnitt rund 16 ct brutto plus Grundpreis für Netz und Zähler (BDEW, 2026); regional teils mehr, im Preisblatt eines Stadtwerks etwa 20,9 ct brutto (17,55 ct netto). Auf den Börsenpreis kommen 19 % Mehrwertsteuer.
  • Viertelstunde statt Stunde: Seit dem 1. Oktober 2025 wird Strom am Day-Ahead-Markt in Viertelstunden gehandelt; viele Anbieter rechnen viertelstündlich ab, manche stündlich. Wir rechnen mit Stundenpreisen – das ist der Mittelwert der vier Viertelstunden.
  • Pflicht zum Angebot: Seit 2025 muss jeder Lieferant Kunden mit Smart Meter einen dynamischen Tarif anbieten und vorher über Vorteile, Nachteile und Risiken informieren (§ 41a EnWG).
  • Preise für morgen: Die Börsenpreise für den nächsten Tag stehen gegen 13 Uhr fest. Wallbox, Wärmepumpe oder Speicher können sich danach richten – per App oder Steuerung des Anbieters.

Wann ist Strom am günstigsten?

Mittlerer Börsenpreis (ct/kWh, netto) zu ausgewählten Uhrzeiten, letzte 12 Monate:

3 Uhr8 Uhr13 Uhr19 Uhr
Sommer (Juni–August)12,612,42,817,6
Winter (Dezember–Februar)7,911,79,611,7
ganzes Jahr9,912,24,815,6

Im Sommer drückt Solarstrom den Preis mittags, abends steigt er steil an. Im Winter fehlt die Sonne; günstig ist es dann nachts. Die Börsenpreise schwankten stark (ct/kWh netto):

ZeitraumØ aller StundenØ nach Haushaltsverbrauchhöchster Preis (netto)Stunden unter 0Stunden ab 20 ct (netto)
202223,55 ct23,60 ct87,1 ct694.653
20239,52 ct9,95 ct52,4 ct301115
20247,86 ct8,15 ct93,6 ct457130
20258,93 ct9,30 ct58,3 ct573165
letzte 12 Monate10,41 ct10,39 ct69,7 ct508363

Smart Meter für den dynamischen Tarif

Ohne intelligentes Messsystem (Smart Meter) gibt es keinen dynamischen Tarif. Bis 6.000 kWh, ohne Vereinbarung nach § 14a EnWG und ohne Anlage über 7 kW ist es keine Pflicht: Der Messstellenbetreiber darf es dann einbauen, muss aber nicht, und darf höchstens 30 € im Jahr verlangen (§ 30 Abs. 3 MsbG). Wollen Sie es vorzeitig, gelten zusätzlich einmalig bis 100 € und laufend bis 30 € im Jahr als angemessen (§ 35). Auf Wunsch muss er grundsätzlich innerhalb von vier Monaten einbauen (§ 34 Abs. 2). Wann der Einbau Pflicht ist, was er dann kostet und einen Check für Ihren Zähler finden Sie unter Smart Meter: Pflicht und Kosten.

Mit steuerbarer Wärmepumpe oder Wallbox lohnt sich zusätzlich ein Blick auf das zeitvariable Netzentgelt: Seit April 2025 müssen Netzbetreiber zusätzlich zur pauschalen Netzentgeltreduzierung (§ 14a EnWG, Modul 1) ein Netzentgelt mit drei Preisstufen je nach Uhrzeit anbieten (Modul 3). Das lässt sich mit jedem Stromtarif kombinieren, setzt aber ein Smart Meter voraus. Die Bundesnetzagentur hat im Mai 2026 bemängelt, dass viele Netzbetreiber das noch nicht umsetzen.

Anbieter: Grundgebühr und Aufschlag

Was Anbieter auf ihren Seiten nennen (Stand 17.10.2026; Netzentgelte und Steuern kommen jeweils dazu). Preise können sich jederzeit ändern, Aktionen wie eine erlassene Grundgebühr sind nicht berücksichtigt:

AnbieterGrundgebührAufschlag je kWhAbrechnung
Tibber5,99 € im Monat inkl. MwSt2,15 ct (laut Anbieter, ohne Angabe brutto/netto)Viertelstunde
Rabot Energy4,99 € im Monat1,5 ct netto oder 20 % der Ersparnis (je nach Tarif)Viertelstunde
Ostrom6 € im MonatServicegebühr, auf der Tarifseite nicht gesondert ausgewiesenStunde

Im Rechner sind 2,00 ct und 6,00 € voreingestellt; tragen Sie das Angebot ein, das Sie interessiert. Achten Sie darauf, ob der Börsenpreis wirklich je Viertelstunde oder Stunde abgerechnet wird. Manche Stadtwerke bieten „börsenindexierte“ Tarife an, die das Monatsmittel des Vormonats berechnen – damit bringt es nichts, Verbrauch in günstige Stunden zu verschieben.

Für wen sich ein dynamischer Tarif lohnt

  • E-Auto mit Wallbox: der größte Hebel – das Auto steht nachts lange genug, um in den günstigsten Stunden zu laden.
  • Wärmepumpe: viel Verbrauch, teils auch in teuren Winterstunden. Wer bereits einen günstigen Wärmepumpentarif mit eigenem Zähler hat, sollte beide Angebote vergleichen. Siehe Wärmepumpen-Rechner.
  • Stromspeicher: kann teure Abendstunden überbrücken. Netzstrom zwischenzuspeichern bringt aber nur bei großen Preisunterschieden etwas – siehe Stromspeicher-Rechner.
  • Haushalt ohne diese Geräte: meist kaum Vorteil. Erst lohnt sich der Blick auf den Festpreis – der Stromkosten-Rechner zeigt, was Sie heute zahlen.
  • Mit PV-Anlage: Sie beziehen mittags kaum Netzstrom – also gerade dann nicht, wenn er an der Börse günstig ist. Der Vorteil fällt kleiner aus als hier gerechnet.

Häufige Fragen

Was ist ein dynamischer Stromtarif?

Ein Stromtarif, dessen Preis den Börsenpreis am Spotmarkt widerspiegelt – mindestens in den Zeitabständen, in denen dort abgerechnet wird (§ 3 Nr. 95 EnWG). Am Day-Ahead-Markt sind das seit Oktober 2025 Viertelstunden. Nur der Börsenpreis schwankt; Netzentgelte, Steuern und Umlagen sowie die Grundgebühr bleiben fest.

Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Für einen Haushalt ohne Wärmepumpe und E-Auto kaum: Mit 3.000 kWh lag der Unterschied in unserer Rechnung je nach Jahr zwischen −1 € und +79 € im Jahr – Smart-Meter-Kosten eingerechnet. Mit Wärmepumpe und E-Auto, das in den günstigsten Stunden lädt, waren es +187 € bis +445 €. Mit den Börsenpreisen des Krisenjahres 2022 wäre der dynamische Tarif in allen Beispielen deutlich teurer gewesen. Die Verbraucherzentrale sieht den Nutzen bei Haushalten „mit hohen und zeitlich flexiblen Verbräuchen“.

Was brauche ich für einen dynamischen Stromtarif?

Ein intelligentes Messsystem (umgangssprachlich Smart Meter) – also einen digitalen Zähler mit Kommunikationsmodul, nicht nur eine moderne Messeinrichtung. Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Stromlieferant Kunden mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Tarif anbieten (§ 41a Abs. 2 EnWG). Den Einbau können Sie beim Messstellenbetreiber verlangen; er muss in der Regel innerhalb von vier Monaten erfolgen (§ 34 Abs. 2 MsbG).

Was kostet das Smart Meter für einen dynamischen Tarif?

Ohne Pflichtfall rund 60 € im Jahr (30 € Entgelt nach § 30 Abs. 3 MsbG plus bis 30 € Zusatzentgelt nach § 35) und einmalig bis 100 € für den vorzeitigen Einbau; im Pflichtfall nur die einmaligen bis 100 €. Alle Fälle und Preisobergrenzen stehen auf der Seite „Smart Meter: Pflicht und Kosten“.

Wird bei einem dynamischen Tarif der ganze Strompreis dynamisch?

Nein. Nur der Börsenpreis ändert sich; Netzentgelt, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umlagen bleiben je kWh gleich, dazu kommen Grundgebühr und oft ein Aufschlag des Anbieters. Deshalb kostet eine Kilowattstunde in der Regel auch dann Geld, wenn der Börsenpreis negativ ist (Verbraucherzentrale). Nur bei sehr stark negativen Preisen kann der Arbeitspreis unter null fallen.

Wann ist Strom mit dynamischem Tarif am günstigsten?

In den letzten 12 Monaten im Sommer gegen 13 Uhr (im Schnitt 2,8 ct/kWh Börsenpreis), im Winter gegen 3 Uhr nachts (7,9 ct). Am teuersten war es im Sommer gegen 20 Uhr (20,3 ct) und im Winter gegen 17 Uhr (13,0 ct). Die Preise für den nächsten Tag stehen jeweils gegen 13 Uhr fest.

Was passiert bei extrem hohen Börsenpreisen?

Sie zahlen sie. Am 12. Dezember 2024 kostete Strom an der Börse zwischen 17 und 18 Uhr 93,63 ct/kWh netto, im ganzen Jahr 2022 im Schnitt 23,55 ct. Einzelne Anbieter haben Varianten mit Preisdeckel – prüfen Sie die Bedingungen. Wer bei hohen Preisen nicht ausweichen kann, trägt das volle Risiko.

Annahmen und Quellen

  • Börsenpreise: Bundesnetzagentur | SMARD.de, Großhandelspreis Deutschland/Luxemburg, Stundenwerte (CC BY 4.0); 29. Februar ausgelassen, Zeitumstellung berücksichtigt
  • Haushalt: BDEW-Standardlastprofil H0 mit Dynamisierung, Feiertage des jeweiligen Jahres. Das neue Profil H25 (BDEW, 2025) verteilt den Verbrauch je Monat feiner; einzelne Haushalte schwanken stärker als jedes Standardprofil
  • Wärmepumpe: Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Heizkörpern, stündlich simuliert mit der Außentemperatur des jeweiligen Jahres (Deutscher Wetterdienst, Mittel aus 10 Stationen, CC BY 4.0), ohne Verschiebung
  • E-Auto: 20 kWh je 100 km inkl. Ladeverlust (ADAC Ecotest: 13,4–29,7 kWh je nach Modell), 11.300 km im Jahr (KBA: Elektro-Pkw 2025 im Schnitt 11.312 km), 11 kW, an der Wallbox von 18 bis 7 Uhr
  • Festtarif und feste Bestandteile: BDEW-Strompreisanalyse 08/2026 (Haushalt 3.500 kWh, 2026): 36,98 ct je kWh einschließlich anteiligem Grundpreis. Aufteilung in 32,00 ct Arbeitspreis und 15 € Grundpreis sowie 9 € Grundpreis für Netz und Zähler sind Schätzungen (keine amtliche Statistik); Netzentgelt, Steuern und Umlagen je kWh: 15,84 ct brutto
  • Anbieter: Tarifseiten und AGB von Tibber, Rabot Energy, Ostrom; feste Bestandteile eines Stadtwerks: Preisblatt Stadtwerke Witten (2026)
  • Recht: § 41a und § 3 Nr. 95 EnWG; §§ 29, 30, 32, 34, 35, 45 MsbG; § 14a EnWG; Verbraucherzentrale (dynamische Stromtarife, 06.10.2025); Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2025 und Rollout-Erhebung (21.09.2026)
  • Nicht eingerechnet: Preisobergrenzen einzelner Tarife, zeitvariable Netzentgelte, Verschieben von Haushaltsgeräten, Laden eines Speichers aus dem Netz